ARTIKELARCHIV
Quelle: Anzeiger für Harlingerland, Rubrik: Tagesthema, Ausgabe vom 21.08.2008
| Bundesweite Propaganda der Neonazis |
| Spuren führen nach Carolinensiel |
| Wittmund/mh – Ein Neonazi steuert von Carolinensiel aus den sogenannten „JVA-Report“ – eine bundesweite Hetzschrift, die im Internet und in Papierform übelste rechte Propaganda verbreitet. Wie die Polizei Wittmund und die Saatsanwaltschaft Aurich bestätigen, wird gegen Stefan Richardt, der unter einer Wittmunder Postfach-Adresse firmiert, inzwischen ermittelt – wegen des Verdachts der Volksverhetzung, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.
Stefan Richardt stammt eigentlich aus Brandenburg, hat seinen ersten Wohnsitz aber seit ein paar Jahren in Carolinensiel. Er ist in der Region kein Unbekannter; gehört seit längerer Zeit zur Neonazi-Szene in Wittmund-Friesland-Wilhelmshaven. Bei den Landtagswahlen in diesem Jahr kandidierte er für die NPD im Wahlkreis 70 (Friesland), holte rund 600 Stimmen. Trat er hier erstmals öffentlich in Erscheinung, so agiert Richardt ansonsten lieber in braunen Zirkeln, unter anderem eben für den „JVA-Report“, eine Hilfsorganisation für inhaftierte Neonazis. Richardt gilt als Initiator des „JVA-Reports“, dessen Wittmunder Postfach bereits in anderen Zusammenhängen mit bundesweiten Aktivitäten von Neonazis verwendet wurde.
Richardt zählt überdies zum Umfeld der rechtsextremen Kameradschaft „AG Wiking“. Schon im März dieses Jahres ist Anzeige gegen die Macher des „JVA-Reports“ bei der Staatsanwaltschaften Aurich und Potsdam erstattet worden, „aus dem politischen Berliner Raum“, heißt es. Die Polizeiinspektion Aurich-Wittmund ist involviert, ermittelt wegen einer „politisch motivierten Straftat“ unter anderem wegen des Verwendens „von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“. Auf den Seiten des „JVA Reports“ sind unter anderem verbotene Runen und andere Zeichen zu sehen. Das Cover der 10. Ausgabe der Hetzschrift zeigt zudem einen SA-Angehörigen mit einer Hakenkreuzarmbinde. Im „JVA-Report“, den der „Freundeskreis Brandenburg“ publiziert, kommen auch neona-zistische Gewaltstraftäter zu Wort: Martin Wiese zum Beispiel, der 2003 das neue Jüdische Kulturzentrum in München in die Luft sprengen wollte. Daneben wirbt der Report um Spenden für Kay Diesner, der 1997 in Berlin-Marzahn mit einem großkalibrigen Gewehr auf den Buchhändler Klaus Baltruschat ein blutiges Attentat verübte, das vermutlich Gregor Gysi treffen sollte.
Die Staatsanwaltschaft Aurich wird nach Ende der Ermittlungen darüber entscheiden, ob eine Anklage erhoben wird. |
|